Montag, 17. November 2025

"das beginnt ja gleich mit einer Katastrophe"

Natürlich fährt die DB zu spät los und natürlich kommt die DB zu spät in Nürnberg an, aber was solls, denn der Anschlusszug hat ja auch Verspätung. In Nürnberg dann auf den Anschlusszug warten, der kommt nicht, denn erstmal kommt ein Güterzug, der so langsam fährt, dass selbst eine Schnecke schneller ist. Dann endlich in den Anschlusszug eingestiegen, der fährt ab um 20 m weiter still zu stehen. Ich wette ein Teil des Zuges steht noch am Bahnsteig. Und warum steht er still, weil der Güterzug vor uns immer noch langsam dahin tuckert und aktuell nicht überholt werden kann. Im Ruhebereich ist dann auch noch ein Elefant. Es sind ja nur 8 Plätze in dem Ruhebereich, aber vorne links sitzt eine Dame, die aller 2 Minuten schnäuzt. Ungefähr so: man nehme ein Taschentuch und tröte wie ein Elefant einmal, zweimal, dreimal, viermal, fünfmal, .... zehnmal, dass auch ja alle BEIDEN Nasenlöcher absolut frei sind. Man wiederhole dies aller 2 Minuten. Der junge Mann vor mir geht zum Telefonieren immerhin nach draußen, also in den Vorraum wo die Türen sind. Aber dann telefoniert er so laut, dass man mittendrin ist, statt nur dabei. Im Großen und Ganzen: Wenn du was erleben willst, fahre DB. Wenigstens ist der Bus von HBF Passau pünktlich und fährt mich nach Passau-Lindau. Dort stehe die Nicko VISION. Die bringt uns heute nach Wien, Ankunft morgen. Es regnet übrigens und hier in Passau-Lindau ist absolut gar nichts, bis auf das Schiff und ein Supermarkt und ein Bäcker. Ich kann keine Menschen am Schiff erkennen. Aber als ich mich ihm näherte und etwas verloren davorstand, kam ein Crew-Mitglied und nahm mir freundlich den Koffer ab. Gleichzeitig sagte er: "Koffer ja, du nicht, erst ab 16 Uhr, aber du kannst kommen schon 15 Uhr." Ernsthaft??? Letztes Jahr konnte man wenigstens schon an Bord und in die Lounge. Heute nicht. Was mach ich jetzt 2h? Da war ein Wegweiser zu einem Bäcker. Naja, war warmes tut gut und immerhin bin ich den Koffer los. Bevor wieder gefragt wird, ja er ist schwer, ja er ist voll, ja ich kann mich mehrmals am Tag umziehen, ja ich weiß ... Aber wenn man sich nun bekleckert, oder hinfällt, oder verschwitzt ist, ... ? Na, wer hat dann vorgesorgt? ICH! :) Der Bäcker ist gut gefüllt. Wundert mich hier etwas, mitten im Nichts. Ich ergattere noch einen Platz, bestelle mir ein Stück Kuchen und eine heiße Schoki. Am Nachbartisch sitzen offenbar auch Gäste der Nicko VISIO, denn die unterhalten sich sehr angeregt darüber, dass sie nicht an Bord durften aber schon mit dem ersten Bustransfer vom Parkplatz, den konnte man in Passau buchen, zum Schiff gebracht wurden. "Man hat uns gesagt, die werden sie schon nicht im Regen stehen lassen" Pustekuchen. :D Nun scheint dieser Bäcker die Anlaufstelle für die gestrandeten Nicko VISION Gäste zu sein. und es werden immer mehr :D Hoffentlich ist das Schiff nicht ausgebucht, denn ich zweifle das 220 Gäste hier reinpassen. Dann wird sich angeregt über die "neue" Streckenführung unterhalten. Denn vor 3 Tagen haben wir alle Post erhalten, dass die Ausschiffung, als wo man wieder von Bord geht, nicht in Passau erfolgen wird, sondern in Linz. Grund dafür ist ein Propeller Schaden am Schiff. Auf dem Rückweg hat die VISION einen Werftaufenthalt in Linz, dass aber sorgt dafür, dass sie nicht pünktlich in Passau ist. So müssen wir dann also am 21.11. in Linz aussteigen und werden dann wohl mit Bussen um 8:00 Uhr früh nach Passau gebracht. Immerhin direkt zum HBF. "Hoffentlich geht die Schiffsschraube nicht noch unterwegs kaputt, sonst müssen wir rudern" tönt es vom Nachbartisch. Na dann bleibe ich in freudiger Erwartung, ob das hier ein Fitnessprogramm, oder doch "Wellness und Genuss" wird. So war es zumindest ausgeschrieben. "Also der Service hier, ich weiß nicht, man lässt uns im Regen stehen und dann der kaputte Propeller, das beginnt ja gleich mit einer Katastrophe" Am liebsten hätt ich jetzt schon nen leckeren Cocktail, Getränke Paket ist diesmal inklusive bei mir ;), dann könnt ich dem treiben nach belustigter zusehen. Aber nein ich "muss" Kuchen essen :)
15:00 Uhr dürfen wir dann endlich an Bord. Es ist kalt und regnerisch. Aber bis wir auf die Kabine können vergeht noch etwas Zeit. Bis dahin vertreibt sich die Rollator Gang die Zeit in der Lounge. Ja mit Rollatoren und an Krücken und schlürfend, so sind hier einige unterwegs. Der Altersdurchschnitt? Soll ich schätzen? 60+ ich drück den natürlich immens und ich bin auch nicht der einzige „junge“ Mensch hier an Bord. Punkt 16 Uhr ertönt dann unser Kreuzfahrtleiter, dass das Boarding beginnen kann. Die Jüngeren unter uns sind natürlich im Vorteil, weil wir schneller vorankommen. Ich frage mich, wenn in einer der 15 Schleusen, die wir passieren eine Havarie ist und wir dann die glitschigen Leitern in so einer Schleuse hochmüssen, was passiert mit der Rollator Gang? Die kommen definitiv nicht die Leitern hoch. Egal ich habe meine Zimmerkarte und betrete nun mein Reich für die nächsten Tage.
Der Koffer wurde auch schon gebracht, so dass ich gleich auspacken kann, schließlich müssen der Anzug und die Hemden und die Hosen sich aushängen 😊 Man will ja adrett sein für die älteren Damen :D Auf dem Bett liegt auch schon die persönliche Einladung zum exklusiven Club Treffen für morgen Vormittag. 😊 Da gibt’s dann Sektchen und Häppchen. Ach, ich liebe dekadente Urlaube 😉 Muss auch mal sein, solange man es noch kann. Ich muss schon sagen, so eine Balkonkabine ist was Feines. Sieht auch alles sehr edel aus, mit indirekter Beleuchtung und alles sehr sauber. Besser als im Unterdeck, wo man nur ein Fenster hat. Und ja, ich nutze auch den französischen Balkon 😊 17:30 Uhr ist dann die Einweisung für den Ernstfall. Anders als auch Hochseeschiffen, wird das hier nicht verpflichtet, also es prüft keiner, ob man dran teilnimmt. Und es wird auch gleich bissl was über das Schiff erzählt. 2018 gebaut und seitdem auf den Europäischen Flüssen unterwegs. Dafür sieht das Schiff noch sehr gut aus. 19:30 Uhr gibt’s dann Abendessen. Ich dachte ja, wenn ich 19:30 Uhr losgehe, werde ich einer der ersten sein. WEIT gefehlt, das Restaurant ist brechend voll. Also entweder hab ich mich in der Uhrzeit vertan, oder die Gang ist trotz Rollator doch immer schneller. Ich glaub, wenn es ums Essen geht, dann gibt’s kein halten. :D So wo finde ich nun noch einen passenden Tisch mit netten Menschen? Meine Idee von allein sitzen kann ich hier ganz schnell über Bord werfen. Ein 6-er Tisch mit zwei Pärchen, etwas älter als ich, wird es dann. Schwaben, und man hat sich schon in Passau getroffen und ich glaube im Café waren sie auch. Da haben wir nun Bernd und Monika, Sabine und Oliver und ich. Monika sagt gleich mal „wir Duzen uns doch alle“ Hoffentlich kann ich mir die Namen merken. Monika erzählt uns dann das sie auf der Tour Geburtstag hat und einen Tag später dann auch Oliver. Das Abendessen verläuft sehr harmonisch. Wir erzählen uns gegenseitig von unseren Reisen, Sternzeichen, Herkünften und sind uns alle sehr sympathisch. Das scheint nach dem Essen dann in der Bar weiterzugehen :D Monika hat bissl das Kommando am Tisch und auch sonst, was nicht so schlimm ist, man passt sich an. Wie alt ich glaube das sie denn wird? Öhm keine Ahnung, ich bin charmant und rede mich raus. 63! „Nein niemals hätt ich das gedacht“, Sie voller stolz „ja ich weiß“ :D Irgendwie mag ich Sie. Sabine erinnert mich an „Tina“ von der MSC vom Februar. Voller der Familienmensch. Bernd und Oliver sind auch zwei coole Typen.
Ihr seht, wenn keiner meiner Leute mitkommen will, dann finde ich paar nette Menschen 😉 Wie gesagt geht es nach dem Abendessen in der Bar weiter. Draußen regnet es und wir schippern durch die Dunkelheit. Ab und an sieht man ein Licht draußen vorbeiziehen und dann wird es draußen etwas heller, wir nähern uns einer Schleuse. Sabine merkt an „es wackelt schon wieder“ ich entgegne „das sind nur Vibrationen von der Schiffsschraube, wahrscheinlich verlieren wir die ja eh, dann rudern wir, dann vibrierts auch nicht mehr“ 😉 Neben uns in der Schleuse mache noch ein Kreuzfahrtschiff von Viking fest und dann senkt sich auch schon der Wasserspiegel. Vor uns legt sich das riesige Schleusentor frei.
Nach einer Pina Colada, einem Espresso Martini, 2 Gläser Weißwein zum Abendessen, einem Gin Tonic, auch mal ein Wasser und zum Abschluss ein Virgin Mojito, wo bei sich Putu (unser Kellner) beschwert das es doch alkoholfrei ist, geht es dann um 0:15 Uhr auf die Kabine. Vor 1 Woche fragte mich mein Hausarzt "wie viel Alkohol trinken sie so am Tag?" wenn er die Frage nach dieser Woche stellen würde :D er würde mich als Alkoholiker abstempeln. Ja wir waren die letzten, das Schiff schläft bereits komplett 😉 Mister T ist schon zugedeckt worden vom Kabinensteward und hält ein Betthupferl bereit.
Na dann, Gute Nacht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen